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Das Projektblog für trnd-Projektteilnehmer: Hier gibt's die aktuellen Projektnews und Diskussionen rund um das trnd-Projekt Live Earth - präsentiert von MSN.

Klimaexperte beantwortet Eure Umweltfragen.

Karl Peter Hasenkamp hat 1991 den Verein PRIMAKLIMA - weltweit – e.V. gegründet. Sein konkretes Ziel war es schon damals, nicht nur über das Thema Klimaschutz zu reden, sondern zu handeln und neue Bäume zu pflanzen, die den CO2-Gehalt in der Luft reduzieren. In den letzten 16 Jahren hat PRIMAKLIMA 106 Aufforstungsprojekte entwickelt und finanziell unterstützt; insgesamt 3.737 ha neue Waldfläche entstanden. Durch die schon realisierten PRIMAKLIMA-Projekte werden rund 33.000 Tonnen CO2 jährlich aufgenommen.

Natürlich haben wir von trnd die Chance genutzt und an Herrn Hasenkamp einige Eurer Umweltfragen weitergeleitet. Hier seine Antworten.

Wie kann man sich ein klassisches Aufforstungsprojekt in Deutschland vorstellen?

Es werden zunächst 30 - 100 cm große Pflänzlinge gesetzt. In der Regel pflanzt man nach Bodenuntersuchungen bei einem Aufforstungsprojekt hierzulande zum Beispiel fünf geeignete Laubbaumarten. In den folgenden 25 bis 40 Jahren wachsen die gepflanzten Bäume heran. Im Laufe der Zeit wird ausgedünnt. Auf diese Weise entsteht nach einer gewissen Zeit ein Mischwald, so wie wir ihn von unseren heimischen Wäldern kennen. Nach 100 Jahren stehen z.B. noch 300 bis 500 Bäume auf einem Hektar.

Wie viel CO2 ein Baum bindet, ist bei jeder Baumart verschieden. Wie kann man messen, wie viel CO2 ein Baum bindet?

Nur 0,4 Promille der Weltatmosphäre bestehen aus CO2-Molekülen. Dennoch ist das CO2 enorm wichtig. Das Prinzip der Photosynthese (der biochemische Grundvorgang in allen grünen Pflanzen) ist mehrere hundert Millionen Jahre alt: Bäume spalten das CO2 der Luft, speichern den Kohlenstoff (C) in ihrer Biomasse und setzen Sauerstoff (O2) frei. Über das Dichteverhältnis der Biomasse und den Biomasse-Zuwachs (Stamm, Zweige, Blätter usw.) kann man genau ermitteln, wie viel CO2 pro Baum aus der Luft aufgenommen wurde. Ein typischer Mischwald braucht anfangs einige Jahre, bis er mit der CO2-Bindung so richtig loslegt. Man kann davon ausgehen, dass ein Hektar Mischwald ab Pflanzung im Durchschnitt der Wachstumszeit 10 Tonnen CO2 pro Jahr bindet – und das für 50 bis 100 Jahre.

Es gibt unterschiedliche Angaben zu den CO2- -Emissionen pro Kopf in Deutschland. Wie kommen diese zu Stande?

Aktuell werden im Schnitt 850 Mio. Tonnen CO2 in Deutschland in die Luft abgegeben. Das ergibt bei 82 Mio. Einwohnern einen CO2-Wert von ungefähr 10 Tonnen pro Kopf. Das schließt den CO2-Ausstoss der privaten Haushalte, der Dienstleistungsunternehmen, der Industrie, der Bundeswehr, Regierung, Automobilwerke, Kraftwerke, Infrastruktur usw. ein.

Es gibt jedoch noch einen anderen Rechnungsansatz, der sich direkt an dem unmittelbaren CO2-Ausstoß des Einzelnen orientiert. Dieser CO2-Wert hängt natürlich sehr stark vom Lebensstil ab. Hierunter zählen Fragen wie: Welches Auto fährt man? Wie oft fliegt man? Wie groß ist die beheizte Wohnung? usw. Die Unterschiede sind enorm und reichen von zwei bis drei Tonnen bis weit über 100 Tonnen CO2-Emissionen pro Jahr.

Was meinen Sie: wird der CO2-Wert pro Kopf in den nächsten Jahren sinken?

Wenn man sich die Entwicklung anschaut, bedeutet eine jetzt anspringende Konjunktur, dass die CO2-Emissionen eher steigen und nicht sinken. Je mehr Geld den Menschen zur Verfügung steht, desto eher möchten sie in eine große Wohnung ziehen, sich ein größeres Auto zulegen oder ferne Länder bereisen. Im Klartext bedeutet dies, der CO2-Wert pro Kopf steigt mit zunehmendem Reichtum. Wir dürfen uns hier nicht in Illusionen wiegen, sondern müssen eher unsere technischen Anstrengungen für eine CO2-Reduzierung verdoppeln.

Was ärgert Sie an der derzeitigen Klimapolitik?

Es ist schon verwunderlich, dass man derzeit kaum Auskunft darüber erhält, wie viel CO2.die Bundesregierung selbst verantwortet und welche Maßnahmen sie in den letzten Jahren ergriffen hat, die eigene CO2-Last zu verringern. Die Regierung ist eigentlich die mächtigste Institution, die den Bürger auf das Thema CO2 aufmerksam machen und verschiedene Lösungsansätze zur CO2-Reduzierung aufzeigen könnte. Doch leider wird hier bislang – gemessen am Problemdruck – noch immer viel geredet, aber recht wenig dafür getan. Es gibt allerdings auch positive Entwicklungen zu verzeichnen. So hat der Vatikan kürzlich verkündet, dass er der erste CO2-neutrale Staat der Welt werden möchte. Geplant sind hierfür konkrete Maßnahmen zur CO2 -Reduzierung sowie ein 7.000 ha-Aufforstungsprojekt in Ungarn. Neuseelands Ministerpräsidentin Helen Clark möchte als erste Zentralregierung der Welt die CO2 –Emissionen der gesamten Staatsinstitutionen zählen lassen. Sechs Ministerien haben sich bereits verpflichtet, bis zum Jahre 2012 die Klimaneutralität durch Aufforstung zu erreichen. Warum erklärt unsere Bundesregierung nicht, dass auch sie komplett CO2-neutral wirtschaften will?

Es kommt immer wieder das Argument, dass neu gepflanzte Wälder abbrennen können und so das gebundene CO2 wieder freigeben. Wie beurteilen Sie dieses Argument?

Das halte ich persönlich für ein Wirtshaus-Stammtisch-Argument. Es ist völlig klar: Wenn man keine Wälder pflanzt, können sie auch nicht abbrennen. Anders herum: Wenn man Wälder anpflanzt, besteht die Möglichkeit, dass diese abbrennen können, aber doch nicht total, sondern in ihrer regionalen Verteilung vielleicht zu 1 oder 5%. Das Natursystem Wald ist jedoch hartnäckig. Wenn es auf einer Fläche X zu einem Waldbrand kommt, dann folgen daraus in der Regel nach Jahren oder Jahrzehnten Wachstumsschübe der neuen Bäume. Die Natur regeneriert sich. China hat zum Beispiel in den letzten Jahren eine Fläche von der Größe der Bundesrepublik Deutschland mit neuen Bäumen bepflanzt. Von dort hört man nicht, dass alles wieder abgebrannt ist. PRIMAKLIMA hat auf vielleicht 1% seiner Flächen Feuer erlebt. Der Schaden wurde durch Nachpflanzen behoben.

Wie kamen Sie zur Gründung von PRIMAKLIMA –weltweit - e.V.?

Eigentlich durch konstruktive Wut. Vor meiner Zeit bei PRIMAKLIMA – weltweit - e.V. war ich viele Jahre in der Bankenbranche tätig. Jeden zweiten Tag pendelte ich per PKW zwischen Düsseldorf und Bonn. So stand ich jede Woche mehrere Stunden im Stau und habe am Ende nur noch Auspuffrohre gesehen. Irgendwann kam die Frage in mir auf: Was kommt eigentlich genau aus einem Auspuff heraus? Da habe ich natürlich nachgeforscht. Als ich begriffen hatte, welche Menge von CO2 ich selbst täglich in die Atmosphäre verpuffe, entschied ich mich dafür, die restlichen CO2-Emissionen meiner Familie mit einem Aufforstungsprojekt zu neutralisieren. Im Jahre 1991 gründete ich den Verein PRIMAKLIMA - weltweit - e.V. Seitdem beschäftige ich mich tagtäglich mit Fragen rund um den Klimaschutz.

Es gibt viele Umweltorganisationen, die alle ein gemeinsames Ziel haben: Die Umwelt zu schützen. Was sind die konkreten Ziele von PRIMAKLIMA – weltweit - e.V.?

Viele andere Organisationen bewegen sich auf der Ebene der Aufrufe, der Appelle, des Protests, der Gutachten, der Herausgabe von Zeitschriften. Wir von PRIMAKLIMA – weltweit - e.V. wollen nicht nur reden und schreiben, sondern handeln. Es geht uns nicht um Sätze wie „Man müsste, man könnte, man sollte“. Das ist meiner Meinung nach die Tragik der „grünen Bewegung“. Es gibt viele Aufsätze, in denen die Menschen darüber belehrt werden, wie sie umweltbewusster leben sollen. Doch das Problem ist, dass man dabei ignoriert, dass der dicke Kern unserer Gesellschaft eben nicht so denkt, zumindest nicht so handelt. Die Menschen hierzulande möchten mobil sein, sie möchten nicht auf ihr Auto verzichten und auch nicht ihre Flugreisen in fremde Länder streichen – die CO2-Emissionen der eigenen Hausheizung ist kein Thema bei Gesprächen. Anstatt ihnen immer wieder diese Einstellung zum Vorwurf zu machen, gehen wir einen Schritt weiter und zeigen ihnen die Möglichkeit, wie sie ihren CO2-Wert durch ein Aufforstungsprojekt neutralisieren, mehrfach neutralisieren können. Natürlich rufen wir die Menschen nach wie vor dazu auf, die eigenen CO2-Emissionen durch umweltbewusstes Handeln nachhaltig zu reduzieren.

Welche Lösungsansätze kann ich als Privatperson, bzw. als Unternehmen von PRIMAKLIMA – weltweit - e.V. erwarten?

Mit unserer Hilfe können sowohl Privatpersonen als auch Unternehmen, Organisationen, Verbände, staatliche und kirchliche Einrichtungen die aktuelle CO2-Bilanz (oder gar aller emittierten Treibhausgase) ermitteln lassen. Wir wünschen uns dann eine Planung und sind dabei auch behilflich, dass es zur CO2-Senkung innerhalb der nächsten fünf Jahre kommt. Dieser Plan setzt eine Verhaltensänderung sowie technische Verbesserungen oder Erneuerungen inklusive einer entsprechenden Finanzierung voraus.

Die „restlichen“ (noch) nicht vermiedenen bzw. (noch) nicht vermeidbaren Treibhausgasemissionen können durch eine Aufforstung vollständig neutralisiert werden. Damit wäre für ein oder für mehrere Jahre das Ziel erreicht: klima-neutral zu leben bzw. zu wirtschaften. Wir drängen im Übrigen darauf, dass man 1 Tonne CO2-Emissionen mit 5 Tonnen CO2-Absorption wieder gutmacht.

Bei kontinuierlicher Fortsetzung dieses Weges würde man seiner Verantwortung gerecht werden und hätte die eigene weitere Mitverursachung des Klimawandels gestoppt.

Vielen lieben Dank für das Interview.

Wer noch weitere Informationen über den Verein PRIMAKLIMA – weltweit - e.V. haben möchte oder selbst an einem eigenen Aufforstungsprojekt interessiert ist, kann sich ganz einfach auf http://www.prima-klima-weltweit.de informieren.

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